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Australian Cattle Dogs

Taubheit beim Australian Cattle Dog

Angeborene Taubheit

Angeborene vererbte Taubheit hat ihre körperliche Ursache in einem Verlust der Sinneszellen im Innenohr. Auffällig ist ihr gehäuftes Auftreten weißgefärbten Hunderassen. Diese Weißfärbung kann ihre Ursache im Vorhandensein des Scheckungsgens oder des Merlegens haben. Es scheint einen Einfluß der Pigmentzellen auf die Funktionserhaltung der Haarsinneszellen im Ohr zu geben. Wie dieser Einfluß genau aussieht, ist noch nicht bekannt.

Bei Dalmatinern wurde gezeigt, dass sich das Hörvermögen der Welpen bis zur 3. Lebenswoche normal entwickelt. Erst dann degenerieren jene Bereiche des Innenohrs, die für die Taubheit verantwortlich sind. Deshalb ist es erst dann sinnvoll einen Hörtest durchzuführen, wenn der Welpe mindestens 5 Wochen alt ist.

Symptome

Meist fällt die Taubheit schon beim Welpen auf. Das Tier schläft trotz Lärm weiter und reagiert nicht auf Geräusche. Genaue Beobachtung des gesamten Wurfes ist notwendig, da ein taubes Tier sich oft stark an den Geschwistern orientiert und so einen hörenden Eindruck macht. Eine sichere Diagnose kann nur mittels Audiometrie (BAER-Test) gestellt werden.

Guinness beim BAER Test

Therapie

Für diese Form der Taubheit gibt es keine Therapie, da sich die zerstörten Sinneszellen im Innenohr nicht regenerieren können. Es ist aber für die Hunde möglich, ein weitgehend normales Leben zu führen. Wichtig ist natürlich ein motivierter Besitzer, der eine Signalsprache auf Basis von Sichtzeichen entwickelt und seinen Hund verantwortungsbewusst ausbildet.

Auftreten beim Australian Cattle Dog

Obwohl er auf den ersten Blick nicht so aussieht, ist der Australian Cattle Dog genetisch ein weißer oder fast weißer Hund und deshalb auch von der vererbten, angeborenen, sensoneuralen Taubheit betroffen. Sichtbar wird dies bei der Geburt. Die Welpen werden weiß geboren, bis auf einige dunkle Platten, die zumeist am Kopf oder Rutenansatz, manchmal auch am Körper zu sehen sind. Erst mit etwa 3 Wochen zeigt sich eine feine Tüpfelung im Fell, die im Laufe der nächsten Zeit stärker wird und beim erwachsenen Hund zu dem charakteristischen Aussehen führt. Die weiße Farbe des Australian Cattle Dogs wird durch das Scheckungsgen bewirkt, deshalb ist es anzunehmen, dass es beim Australian Cattle Dog wie bei anderen stark gescheckten Rassen etwa 2 % volltaube und etwa 12 % einseitig taube Hunde gibt.

Eine Studie an über 800 Australian Cattle Dogs findet einen Anteil von 11,1 % tauben Hunden (7,5 % einseitig taub, 3,6 % beidseitig taub). (Sommerlad et. al 2012)

Vererbung und züchterische Maßnahmen

Bei Rassen mit dem Scheckungsgen ist die Vererbung der Taubheit weder ein einfach rezessiver noch ein dominanter Erbgang. Beidseitig hörende Elterntiere können taube und hörende Nachkommen hervorbringen. Sind beide Elterntiere beidseitig taub können ebenfalls taube und hörende Nachkommen entstehen. Aufgrund von molekulargenetischen Untersuchungen wird davon ausgegangen, dass die Taubheit von einem Gen verursacht wird, welches für die Regulierung der Scheckungsgene zuständig ist. Unterstützt wird diese Theorie durch die Befunde, dass Dalmatiner mit Plattenflecken, welche bereits bei der Geburt zu sehen sind, eine geringere Wahrscheinlichkeit für Taubheit haben. Im Gegenzug haben Hunde mit so starker Scheckungsausprägung, daß sogar die Augen pigmentfrei sind und damit blau erscheinen, eine höhere Wahrscheinlichkeit für Taubheit.

In 2012 wurde von Sommerlad et. al an der Universität von Queensland eine wichtige Studie an Australian Cattle Dogs publiziert, die folgende Zusammenhänge aufzeigt:

  • Es wurden 11,1 % der untersuchten Hunde als einseitig oder beidseitig taub getestet.
  • Cattle Dogs mit Doppelmasken haben ein reduziertes Risiko für Taubheit (4,4 % gegenüber dem Durchschnitt von 11,1 %).
  • Cattle Dogs mit Körperflecken haben ein reduziertes Risiko für Taubheit (4,8 % gegenüber 12,8 % bei Hunden ohne Körperflecken).
  • Plain Face Cattle Dogs haben ein erhöhtes Risiko für Taubheit (14,6 % gegenüber dem Durchschnitt von 11,1 %).
  • Es wurde kein Zusammenhang zwischen roter oder blauer Grundfarbe und Taubheit gefunden.
  • Es wurde kein Zusammenhang zwischen dem Weißanteil in der Tüpfelung (speckled oder mottled) und Taubheit gefunden.
  • Hund mit einem nicht voll hörenden Elternteil haben ein stark erhöhtes Risiko für Taubheit (37,5 % gegenüber 8,7 % bei voll hörenden Elternteilen).

Für den Züchter ist es sehr unbefriedigend, dass die Vererbung der Taubheit noch nicht abgeklärt ist. Auch bei der Zucht nur mit voll hörenden Hunden fallen immer wieder taube Welpen. Da die Taubheit an die weiße Fellfarbe gebunden ist, wäre eine Möglichkeit züchterisch gegen die Taubheit vorzugehen, Hunde mit großen und vielen Plattenflecken gegenüber reinweiß geborenen Hunden zu bevorzugen. Leider sind solche Flecken an anderen Stellen als Gesicht und Rute laut Rassestandard als Fehler zu werten.

Weiterführende Informationen:
Prevalence of congenital hereditary sensorineural deafness in Australian Cattle Dogs

Taubheit bei Hunden

Sehr empfehlenswertes Buch:
In der Welt der Stille
Ein Ratgeber über taube Hunde von Barry Eaton und Clarissa v. Reinhardt. Animal learn Verlag.